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Briefe gefallener Studenten
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Joachim Bannes
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Joachim Bannes, Lektor, Heidelberg geboren am 24. Januar 1906 in Breslau, gefallen am 6. März 1944 in Monte Fortino, Oberitalien

25.Februar 1944, Norditalien [Das Testament, für seine Kinder bestimmt]

Wir leben in einer Zeit, in der ich damit rechnen muß, daß Gott mich vorzeitig von Euch trennt, nur dem Leibe, nicht dem Geiste nach. Meine Liebe wird immer bei Euch allen bleiben, und wir werden uns wiedersehen.

Jetzt seid Ihr noch so klein, daß Ihr meine Worte nicht verstehen könnt. Aber sollte ich vor Euch schweigen, die Ihr alle Zeit meinem Herzen nahe seid? Ihr gehört zu mir und was mich trifft, trifft auch Euch. Darum schreibe ich Euch diesen Brief. Die Mutter wird ihn Euch später geben, und Ihr werdet ihn lesen, und Eure Herzen werden mir antworten,

Haltet die katholische Religion in Ehren, studiert sie, lernt sie lieben und versucht, nach ihr zu leben, wie Eure Eltern und Großeltern. Ich habe erfahren, daß die Menschen, die die Kirche mißachten, sie nicht verstehen, weil sie sich keine Zeit dazu nehmen, sie kennenzulernen. Um in das Wesen des Christentums einzudringen, muß man sich beständig darum bemühen. Ich glaube, daß unter allen Bemühungen, die das Leben uns auferlegt, diese die bei weitem würdigste und wichtigste ist. Wenn Ihr Euch dauernd darum bemüht nach dem Glauben zu leben, und zwar nur dann, werdet Ihr allmählich auch seine Früchte kennenlernen: . Wahrheit; innere Freiheit, Friede und Freude, die nicht von dieser Welt sind.

Lernt von der Natur! In ihr offenbart sich der Wille Gottes in größerer Schrift als in der menschlichen Geschichte. Erwandert Euch ein wahres Verhältnis zu Wald und Feld, zu Gebirge und Meer. Ich rate Euch, von Zeit zu Zeit auch des nachts unter freiem Himmel zu wachen. Geht mit Tieren und Pflanzen!

Laßt Euch nicht von irgendwelchen Menschen überreden, die Euch Euer Vaterlandabschwätzen wollen. Ihr seid Deutsche; Ihr wurzelt im deutschen Lande und Volke. Eure Art zu denken, Welt und Menschen anzusehen, ist die deutsche Art. Die Schätze der deutschen Kultur sind Eure Schätze. Davon lebt Ihr. Hütet sie! Pflegt die deutsche Philosophie, deutsche Musik, Baukunst, Bildhauerei, Malerei, deutsche Dichtung je nach Vermögen und Gelegenheit. Vor allem pflegt die deutsche Sprache und geht behutsam mit ihr um. Sie ist das kostbarste Instrument des deutschen Geistes und doch am meisten der Gewissenlosigkeit der Menschen ausgesetzt.

Haltet Euch fern vom deutschen Dünkel. Das deutsche Volk hat, wie jedes andere, Schwächen und Fehler. Jedes Volk hat, wie jeder einzelne Mensch, einen eigenen Auftrag Gottes in der Schöpfung zu erfüllen. Es gibt Länder und Völker, die glücklicher sind als wir, und die auf verschiedenen Kulturgebieten mehr geleistet haben oder mehr leisten. Achtet sie alle und lernt von allen, besonders von den Völkern unserer europäischen Völkerfamilie.

Bittet Gott um einen guten Freund! Ohne Freunde ist das Leben viel schwerer und mehr Gefahren ausgesetzt. Gute Freunde gehören zu den seltenen Kostbarkeiten des Lebens, Wenn Ihr frühzeitig unter Euren Gefährten einen findet, der Euch besonderes Vertrauen einflößt, so dankt Gott für diese. Begegnung. Seht ihn Euch an und laßt Eure Mutter ihn ansehen. Geht seinen Interessen nach, seht ihn im Verkehr mit seinen Eltern und Geschwistern, arbeitet mit ihm, wandert mit ihm, und wenn er sich Eures Vertrauens würdig zeigt, öffnet ihm mehr und mehr Euer Herz, hört seinen Rat an und erwidert ihm Gleiches mit Gleichem. Haltet ihm die Treue und trennt Euch nicht von ihm, denn Ihr werdet schwerlich einen zweiten solchen finden.

Laßt Euch in der Einrichtung Eures Lebens und in grundlegenden Entscheidungen niemals von äußeren Interessen leiten. »Der Mensch ist auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und dadurch in den Himmel zu kommen.« Diese Lehre unserer Religion muß Euch zum leitenden Grundsatz werden. Die Welt vergeht. Gott und die Seele bleiben. Danach richtet Euch. Ihr müßt Euch nach dem lieben Gott ausstrecken und ihm Jahr um Jahr entgegenwachsen. Davon hängt Euer Glück ab.

Besonders jagt nicht dem Gelde nach, das den Menschen so oft um seine Ruhe und alle wahren Lebenswerte betrügt. Ich habe viele Arme gesehen, die zufrieden und glücklich waren. Vielleicht werdet Ihr es manchmal schwer haben, weil ich Euch keinen Reichtum hinterlasse. Seid mir darum nicht böse, liebe Kinder! Was ich Euch hinterlasse, ist mehr wert als Geld. Ich habe stets gearbeitet, aber das Geldverdienen habe ich nie verstanden. Ich empfehle Euch die Armut als meine gute Freundin, die mir immer treu geblieben ist.

Liebe Kinder! Seid geduldig! Übt Euch im Ertragen von allerlei Entbehrungen, Ungerechtigkeiten, Verachturigen.

Denn davon ist die Welt voll. Die Unvollkommenheit ist unsere Mutter, Sorgen sind unsere tägliche Speise, die uns stark macht.

Schmerz, Not, Kummer, Trübsal, nehmt sie in Eure Arme und tragt sie gern. Seht auf den Heiland.

Gott ist so gut! Hunderttausend Mal in meinem Leben habe ich es erfahren. Ihm sei Lob und Dank!

Im Frühjahr 1944 wurde Joachim Bannes durch ein Kommando von sieben Partisanen niedergeschossen. Nach Aussagen Gefangener hatte man ihn in der Nacht in das abgelegene MonteFortino gebracht und auf einer Pritsche liegen lassen. Beim Verlassen des Hauses sagte er »Jesu juva!« Auf dem Richtplatz kniete er zum Gebet nieder. Nachdem er sich erhoben hatte,. rief er noch »Evviva Germania«. Seine Kameraden fanden ihn später in der Kirche von Monte Fortino auf den Stufen des Altares, wo ihn die Partisanen nach der Erschießung hingebracht hatten.



 

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