| Deutsche Hymnen |
|
|
|
|
Herder sieht in den Liedern eines Volkes "unverfälschte Äußerungen der Volksseele". In solchen Volksliedern erfährt man von „Denkart und Sitten der Nation! Von Ihrer Wissenschaft und Sprache! Von Spiel und Tanz, Musik und Götterlehre!“. In seinen Liedern tritt uns das Wesen des Volkes entgegen Wesen der HymneHerder sieht in den Liedern eines Volkes "unverfälschte Äußerungen der Volksseele". In solchen Volksliedern erfährt man von „Denkart und Sitten der Nation! Von Ihrer Wissenschaft und Sprache! Von Spiel und Tanz, Musik und Götterlehre!“. In seinen Liedern tritt uns das Wesen des Volkes entgegen Was unterscheidet aber ein Volkslied von einer Volkshymne? In der Hymne eines Volkes soll sich nicht nur sein Wesen, sondern auch sein geschichtlicher Auftrag (nach Ortega y Gasset das eigentliche Sein eines Volkes) ausdrücken. Die Hymne geht also über das bloße Volkslied hinaus.Das Wesen Frankreichs, sein Selbstverständnis, spiegelt sich in der Marseillaise. Das Wesen Englands offenbarte sich fast drei Jahrhunderte lang in dem Lied „Rule, Britannia! Britannia, rule the waves: Britons never will be slaves“. Heute ist Großbritannien längst keine die Meere beherrschende Weltmacht mehr wie früher, und das Lied ist nur noch der Abglanz einer vergangenen Epoche. Eine Hymne ist also nicht nur Verherrlichung der Nation, sie ist auch immer Zeichen für den Auftrag an die Nation. In seiner Nationalhymne stellt sich das Volk seine Aufgabe vor sich hin. Die Entwicklung in DeutschlandWie verhält es sich jetzt mit Deutschland? Die Geschichte unseres Volkes lässt sich an der Geschichte unserer Hymnen ablesen. Während die anderen europäischen Völker sich kontinuierlich zum Nationalstaat entwickelten, blieb es Deutschland verwehrt, Nation und Staat zu verbinden. Die Staaten und Staatsformen wechseln sich bei uns ab und mit ihnen die „National“-Hymnen. Die ersten allgemein verbreiteten Hymnen sind die Huldigungslieder auf den jeweiligen Kaiser. Erst mit der Rheinkrise von 1840 erwacht nach den Befreiungskriegen wieder der Geist des Volkes und drückt sich in kämpferischen Liedern aus, die in ganz Deutschland gesungen werden. „Die Wacht am Rhein“ und das „Rheinlied“ sind das ganze 19. und bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts die inoffiziellen Hymnen des deutschen Volkes. Jedes Kind kennt sie und wichtiger: jedes Kind singt sie und glaubt sie. Die Hymne ist ein gesungenes Bekenntnis, das die Herzen der Menschen anspricht. Die Monarchien und mit ihnen die Huldigung an den Herrscher fallen weg, aber diese inoffiziellen Lieder behaupten sich. 1919 erklärt der sozialdemokratische Reichspräsident Ebert das Deutschlandlied sogar zur Nationalhymne. So zerstritten die Republik von Weimar auch war, in ihrer Hymne zumindest war das Volk geeint. Anders in Österreich: Bis 1929 dominiert die Staatsauffassung der Sozialdemokraten und mit ihnen die Rennerhymne; mit der Änderung der Bundesverfassung kommt nicht nur ein autoritärer Zug in den Staat, auch die Hymne wird politisch korrekt (hier also christlich-sozial-ständisch) ersetzt. Fortan spielt man in Österreich wieder die alte Haydnmelodie, aber je nach Belieben singen die einen dazu „Sei gesegnet ohne Ende“, andere „Gott erhalte“ und wieder andere „Deutschland, Deutschland, über alles“. Genau darin spiegelt sich die Zerrissenheit der Ersten Republik. Die Machtergreifung der Faschisten bringt wieder Änderungen. Im Deutschen Reich werden die beiden letzten Strophen des Deutschlandliedes nicht mehr gesungen. Recht und Freiheit waren nicht mehr gefragt. Das Regime ergänzt die Hymne dafür durch das Horst-Wessel Lied. Auch in Österreich tritt neben die eigentliche Hymne ein neu geschaffenes Lied für den ermordeten BK Dollfuß. Beide Ergänzungen sind Toten (Martyrern der Sache) und ihrem Vermächtnis gewidmet, beide sprechen von der neuen Zeit. Während aber das Dollfußlied mehr defensiven Charakter trägt, spricht aus Wessel der Wille zur ; Veränderung. Mit dem Zweiten Weltkrieg kommt der Untergang des selbständigen Deutschlands und die Hymen werden erst einmal verboten. Der Versuch, eine ganz neue Hymne zu schaffen, scheitert in der BRD und das Deutschland Lied wird wieder zur Hymne erklärt. Aber weder 1949 noch 1991 geschieht dies durch ein Gesetz, Bundeskanzler und Bundespräsident einigen sich darauf im Zuge eines Briefwechsels. Galten aber unter Adenauer und Heuss noch alle drei Strophen des Liedes, erklärten Kohl und Weizsäcker nur die dritte Strophe zur Hymne der BRD. Das lässt freilich Rückschlüsse auf das Selbst– und Geschichtsverständnis der Bundesrepublik zu, wie überhaupt der Umgang mit Hymnen viel über die Staaten verrät. Die DDR erhält mit „Auferstanden aus Ruinen“ eine neue Hymne, die ihr aber bald schon unheimlich wird und deren Text nach 1972 nicht mehr gesungen werden darf. Er wird sogar aus den Schulbüchern entfernt. Was aus einem Land wird, dass seine eigene Hymne verschämt versteckt, hat uns schließlich die Geschichte gezeigt. In Österreich ist die neue Bundeshymne zwar nicht unwidersprochen, aber sie erfreut sich bald einer gewissen Popularität. Die neue „Nation“ scheint auch ein neues Lied zu brauchen. Krise der HymnenHeute singen nur noch wenige Menschen aus voller Brust und aus vollem Herzen die Lieder der Nation. Viele – vor allem junge Menschen – kennen nicht einmal mehr den Text. Die Überzeugung mit der frühere Generationen diese Lieder gesungen haben, ist verloren gegangen. Woran kann das liegen? Die Krise der Hymnen ist eine Krise des Staates, ist eine Krise der Gesellschaft. Ein übersteigerter Individualismus hat die Wurzeln einer gesunden Staatsverfassung, die Gemeinschaft und die Orientierung am Gemeinwohl, aufgelöst. Weil die Menschen nicht mehr an ihr Volk glauben und nur an sich denken, können sie auch ihre Lieder nicht mehr singen. Erst wenn uns die Nation wieder eine Aufgabe, ein Ziel vor Augen stellt, das über den Selbsterhalt und den Erhalt der eigenen Bequemlichkeit hinausgeht, erst dann, werden sich die Bürger wieder unter einem Banner zusammenschließen und ein Volk werden. Erst wenn wir uns wieder alle für das Projekt „Nation“ begeistern können, werden wieder mehr Menschen voller Stolz und Inbrunst die Lieder der Nation singen. Dafür müssen wir die Hymnen neu für uns entdecken. Sie müssen uns wieder Antwort geben auf die Frage nach dem Sinn und der Aufgabe unseres Volkes. Dann werden uns die Hymnen nicht nur die Lieder der Ahnen sein, sondern wieder Bekenntnis für das Deutschland von morgen! KaiserhymnenGott erhalte Franz, den Kaiser (1792)1. Gott erhalte Franz, den Kaiser, / Unsern guten Kaiser Franz! / Lange lebe Franz, der Kaiser, / In des Glückes hellstem Glanz! / Ihm erblühen Lorbeerreiser, / Wo er geht, zum Ehrenkranz! / Gott erhalte Franz, den Kaiser, / Unsern guten Kaiser Franz! 2. Lass von seiner Fahne Spitzen / Strahlen Sieg und Fruchtbarkeit! / Lass in seinem Rate sitzen / Weisheit, Klugheit, Redlichkeit! / Und mit Seiner Hoheit Blitzen / Schalten nur Gerechtigkeit! / Gott erhalte Franz, den Kaiser, / Unsern guten Kaiser Franz! 3. Ströme deiner Gaben Fülle / Über ihn, sein Haus und Reich! / Brich der Bosheit Macht, enthülle / Jeden Schelm- und Bubenstreich! / Dein Gesetz sei stets sein Wille, / Dieser uns Gesetzen gleich. / Gott erhalte Franz, den Kaiser, / Unsern guten Kaiser Franz! 4. Froh erleb' er seiner Lande, / Seiner Völker höchsten Flor! / Seh sie, Eins durch Bruderbande, / Ragen allen andern vor! / Und vernehm noch an dem Rande / Später Gruft der Enkel Chor: / Gott erhalte Franz, den Kaiser, / Unsern guten Kaiser Franz! Text: Lorenz Leopold Haschka (* 1. September 1749 in Wien; † 3. August 1827 ebenda) Melodie: Joseph Haydn (* 31. März 1732 in Rohrau in Niederösterreich; † 31. Mai 1809 in Wien), komponiert im Januar 1797 als Auftragswerk auf den Text der Haschka-Hymne. Geschichte: am 12. Februar 1797 aus Anlass des Geburtstags des Kaisers erstmals gesungen. Die Hymne galt bis 1828. Gott erhalte Franz den Kaiser (1828)1. Gott erhalte Franz den Kaiser, / unsern guten Kaiser Franz! / Hoch als Herrscher, hoch als Weiser / steht er in des Ruhmes Glanz. / Liebe windet Lorbeerreiser / Ihm zu ewig grünem Kranz. / Gott erhalte Franz den Kaiser, / unsern guten Kaiser Franz! 2. Über blühende Gefilde / reicht sein Zepter weit und breit. / Säulen seines Throns sind Milde, / Biedersinn und Redlichkeit. / Und von seinem Wappenschilde / Strahlet die Gerechtigkeit. / Gott erhalte Franz den Kaiser, / unsern Guten Kaiser Franz! 3. Sich mit Tugenden zu schmücken, / achtet er der Sorgen wert. / Nicht, um Völker zu erdrücken, / flammt in seiner Hand das Schwert; / Sie zu segnen, zu beglücken, / ist der Preis, den er begehrt. / Gott erhalte Franz den Kaiser, unsern guten Kaiser Franz! 4. Er zerbrach der Knechtschaft Bande, / hob zur Freiheit uns empor. / Früh erleb' er deutscher Lande, / deutscher Völker höchsten Flor / und vernehme noch am Rande / später Gruft der Enkel Chor: / Gott erhalte Franz den Kaiser, / unsern guten Kaiser Franz! Text: unbekannter Dichter. Geschichte: durch "Allerhöchster Entschließung" am 1. Oktober 1826 als offizielle Volkshymne proklamiert, galt diese Version bis 1835. Die letzte Strophe bezieht sich auf den Sieg über Napoleon. Gott erhalte unsern Kaiser, unsern Kaiser Ferdinand! (1835)1. Gott erhalte unsern Kaiser, / Unsern Kaiser Ferdinand! / Reich, o Herr, dem guten Kaiser / Deine starke Vaterhand! / Wie ein zweiter Vater schalte / Er an Deiner Statt im Land! / Ja, den Kaiser, Gott, erhalte, / Unsern Kaiser Ferdinand! 2. Lass in seinem Rate weilen / Weisheit und Gerechtigkeit! / Lass ihn seine Sorgen teilen / Zwischen Zeit und Ewigkeit; / Dass er hier sein Reich verwalte / Nur als Deines Reiches Pfand! / Ja, den Kaiser, Gott, erhalte, / Unsern Kaiser Ferdinand! 3. Gib ihm Frieden! Gib ihm Ehre! / Wenn die Ehre ruft zum Krieg, / Sei mit ihm und seinem Heere; / Unsern Fahnen schenk den Sieg; / Wo sie wallen, da entfalte / Segen sich für jeden Stand! / Ja, den Kaiser, Gott, erhalte, / Unsern Kaiser Ferdinand! 4. Alles wechselt im Getriebe / Vielbewegter Erdenwelt; / Doch erprobter Treu und Liebe / Ward die Dauer beigesellt. / Uns're Treue bleibt die alte, / Unauflöslich ist ihr Band: / Ja, den Kaiser, Gott, erhalte, / Unsern Kaiser Ferdinand! Text: Karl von Holtei (1798-1880)Geschichte: Da die Hymne keinen großen Anklang fand (angeblich da Holtei Preuße war), wurde sie schon nach wenigen Monaten ersetzt. Sie war lediglich von April 1835 bis Januar 1836 in Gebrauch. Segen Östreichs hohem Sohne (1836)1. Segen Östreichs hohem Sohne, / Unserm Kaiser Ferdinand! / Gott, von Deinem Wolkenthrone / Blick erhörend auf dies Land! / Lass Ihn, auf des Lebens Höhen / Hingestellt von Deiner Hand, / Glücklich und beglückend stehen, / Schütze unsern Ferdinand! 2. Alle Deine Gaben spende / Gnädig Ihm und Seinem Haus; / Alle deine Engel sende, / Herr, auf Seinen Wegen aus! / Gib, dass Recht und Licht und Wahrheit, / Wie sie Ihm im Herzen glüh'n, / Lang' in reiner, ew'ger Klarheit / Noch zu unserm Heile blüh'n! 3. Palmen lass Sein Haupt umkränzen, / Scheuche Krieg und Zwietracht fort; / Lass Ihn hoch und herrlich glänzen, / Als des Friedens Schirm und Hort! / Lass Ihn, wenn Gewitter grauen, / Wie ein Sternbild hingestellt, / Tröstend Licht hernieder thauen, / In die sturmbewegte Welt! 4. Holde Ruh und Eintracht walte, / Wo er sanft das Scepter schwingt; / Seines Volkes Liebe halte / Freudig Seinen Thron umringt; / Unaufhörlich fest-geschlungen / Bleibe ewig dieses Band! / Rufet "Heil" mit tausend Zungen, / "Heil dem milden Ferdinand!" Text: Freiherr v. Zedlitz (1790-1862). Geschichte: vom Februar 1836 bis zum März 1854 in Gebrauch. Erstmals wird hier „Österreich“ in der Hymne des Kaiserreiches erwähnt! Gott erhalte, Gott beschütze (1854)1. Gott erhalte, Gott beschütze / Unsern Kaiser, unser Land! / Mächtig durch des Glaubens Stütze / Führt er uns mit weiser Hand! / Lasst uns seiner Väter Krone / Schirmen wider jeden Feind: / Innig bleibt mit Habsburgs Throne / Österreichs Geschick vereint. 2. Fromm und bieder, wahr und offen / Lasst für Recht und Pflicht uns stehn; / Lasst, wenn‘s gilt, mit frohem Hoffen / Mutvoll in den Kampf uns gehn! / Eingedenk der Lorbeerreiser / Die das Heer so oft sich wand: / Gut und Blut für unsern Kaiser, / Gut und Blut fürs Vaterland! 3. Was der Bürger Fleiß geschaffen, / Schütze treu des Kaisers Kraft; / Mit des Geistes heitren Waffen; / Siege Kunst und Wissenschaft! / Segen sei dem Land beschieden / Und sein Ruhm dem Segen gleich; / Gottes Sonne strahl' in Frieden / Auf ein glücklich Österreich! 4. Lasst uns fest zusammen-halten, / In der Eintracht liegt die Macht; / Mit vereinter Kräfte Walten / Wird das Schwere leicht vollbracht, / Lasst uns Eins durch Brüderbande / gleichem Ziel entgegengehn! / Heil dem Kaiser, Heil dem Lande, / Österreich wird ewig stehn! 5. An des Kaisers Seite waltet, / Ihm verwandt durch Stamm und Sinn, / Reich an Reiz, der nie veraltet, / Uns're holde Kaiserin. / Was als Glück zu höchst gepriesen / Ström' auf sie der Himmel aus: / Heil Franz Josef, Heil Elisen, / Segen Habsburgs ganzem Haus! 6. Heil auch Öst'reichs Kaisersohne, / Froher Zukunft Unterpfand, / seiner Eltern Freud' und Wonne, / Rudolf tönt's im ganzen Land, / Unsern Kronprinz Gott behüte, / Segne und beglücke ihn, / Von der ersten Jugendblüte / bis in fernste Zeiten hin. Text: Johann Gabriel Seidl (* 21. Juni 1804 in Wien; † 18. Juli 1875 ebenda). Geschichte: Anlässlich der Verehelichung Kaiser Franz Josefs I. sollte ein neuer Text für die Kaiserhymne entstehen, der für die Nachfolger keiner Änderungen mehr bedürfen sollte. Dieser Text wurde am 27. März 1854 zur offiziellen Hymne erklärt und galt bis zum Ende des Kaiserreiches 1918. Die letzen zwei Strophen wurden allerdings nach dem Tod der Kaiserin und des Kronprinzen nicht mehr gesungen. Die Änderungen für Karl I. kamen nicht mehr zur Anwendung. Exilstrophe für Otto von HabsburgIn Verbannung, fern den Landen / Weilst Du, Hoffnung Österreichs. / Otto, treu in festen Banden / Steh'n zu Dir wir felsengleich. / Dir, mein Kaiser, sei beschieden / Alter Ruhm und neues Glück! / Bring den Völkern endlich Frieden, / Kehr zur Heimat bald zurück! Alternative EntwürfeFranz Grillparzer 1. Gott erhalte unsern Kaiser / Und in ihm das Vaterland! / Der du Kronen hältst und Häuser, / Schirm ihn, Herr, mit starker Hand! / Dass ein Guter und ein Weiser, / Er ein Strahl von deinem Blick: / Gott erhalte unsern Kaiser, / Unsre Liebe, unser Glück! 2. Lass in seinem Rate sitzen / Weisheit und Gerechtigkeit, / Sieg von seinen Fahnen blitzen, / Führt das Recht ihn in den Streit; / Doch verschmähend Lorbeerreiser / Sei der Friede sein Geschick: / Gott erhalte unsern Kaiser, / Unsre Liebe, unser Glück! 3. Mach uns einig, Herr der Welten, / Tilg der Zwietracht Stachel aus, / Dass wir nur als Söhne gelten / In desselben Vaters Haus. / Und ein Vaterherz beweis er / Ungeteilt in kleinstem Stück: / Gott erhalte unsern Kaiser, / Unsre Liebe, unser Glück! 4. Mag dann eine Welt uns dräuen, / Er mit uns und wir für ihn! / Neu im alten, alt im neuen / Lass uns unsre Bahnen ziehn. / Wenn sein letzter Pulsschlag leiser, / Schau er segnend noch zurück! / Gott erhalte unsern Kaiser, / Unsre Liebe, unser Glück! Unbekannter Dichter um 1848 1. Gott erhalte unsern Kaiser, / Lothringens und Habsburgs Sohn! / Als Vermächtnis beider Häuser / Saß stets Tugend auf dem Thron! / Was an Glück dem Volk zu schenken / Gab uns seine milde Hand—/ Mit vereinter Kraft zu lenken / Unser weites Vaterland. 2. Gott erhalte unsern Kaiser, / Dass er ernte seine Saat, / Ihn umgebe stets ein weiser, / Ein vom Volk geliebter Rath, / Dass, was kräftig er vollbringe, / Alle stützen auch zugleich—/ Mit vereinter Kraft verjünge / Sich ein freies Österreich. 3. Deutsche, Ungarn und Dalmaten, / Slav', Lombarde und Kroat, / Seien einig im Beraten / Und auch einig in der Tat! / Um dem Vaterland zu geben / Neuen Glanz und neuen Ruhm / Mit vereinter Kraft erstreben / wir ein mächtig Kaisertum. Heil Dir im Siegerkranz (1790)1. Heil dir im Siegerkranz, / Herrscher des Vaterlands. / Heil, Kaiser, dir! / Fühl' in des Thrones Glanz / Die hohe Wonne ganz, / Liebling des Volks zu sein. / Heil, Kaiser, dir! 2. Nicht Ross', nicht Reißige / Sichern die steile Höh', / Wo Fürsten stehn. / Liebe des Vaterlands, / Liebe des freien Manns / Gründen den Herrscherthron / Wie Fels im Meer. 3. Heilige Flamme, glüh, / Glüh und erlösche nie / Fürs Vaterland! / Wir alle stehen dann / Mutig für einen Mann, / Kämpfen und bluten gern / Für Thron und Reich. 4. Handel und Wissenschaft / Heben mit Mut und Kraft / Ihr Haupt empor. / Krieger- und Heldentat / Finden ihr Lorbeerblatt / Treu aufgehoben dort / An deinem Thron. Nationale VolkshymnenEs braust ein Ruf wie Donnerhall (1840)1. Es braust ein Ruf wie Donnerhall, / Wie Schwertgeklirr und Wogenprall: / Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein! / Wer will des Stromes Hüter sein? Refrain Lieb Vaterland magst ruhig sein, / Lieb Vaterland magst ruhig sein: / Fest steht und treu die Wacht, / Die Wacht am Rhein! / Fest steht und treu die Wacht, / Die Wacht am Rhein! 2. Durch Hunderttausend zuckt es schnell, / Und aller Augen blitzen hell; / Der Deutsche bieder, fromm und stark, / Beschützt die heil'ge Landesmark. 3. Er blickt hinauf in Himmelsau'n, / Wo Heldenväter niederschau'n, / Und schwört mit stolzer Kampfeslust: / Du Rhein bleibst deutsch wie meine Brust! 4. Solang ein Tropfen Blut noch glüht, / Noch eine Faust den Degen zieht, / Und noch ein Arm die Büchse spannt, / Betritt kein Feind hier deinen Strand! 5. Der Schwur erschallt, die Woge rinnt / Die Fahnen flattern hoch im Wind: / Am Rhein, am Rhein, am deutschen Rhein /Wir alle wollen Hüter sein. Zwischen der 4. und 5. Strophe wird in manchen Publikationen folgende Strophe eingeschoben, die zumindest schon 1870 nachweisbar ist: Und ob mein Herz im Tode bricht, / Wirst du doch drum ein Welscher nicht. / Reich, wie an Wasser deine Flut, / Ist Deutschland ja an Heldenblut! Auf Kriegspostkarten des Ersten Weltkriegs wird auch die nachfolgende 7. Strophe verbreitet: So führe uns, du bist bewährt; / In Gottvertrau'n greif' zu dem Schwert, / Hoch Wilhelm! Nieder mit der Brut! / Und tilg' die Schmach mit Feindesblut! Text: Max Schneckenburger (* 17. Februar 1819 in Talheim bei Tuttlingen; † 3. Mai 1849 in Burgdorf bei Bern) für die Strophen 1. bis 5. Melodie: Carl Wilhelm, (* 5. September 1815 in Schmalkalden; † 26. August 1873 ebenda). Geschichte: als Reaktion auf das Bekenntnis Adolphe Thiers' zum Rhein als Frankreichs anzustrebender Ostgrenze (Rheinkrise) gedichtet. Das Lied hatte nach 1871 neben dem Lied „Heil dir im Siegerkranz“ beim Volk den Status einer Nationalhymn Text: Nikolaus Becker, geschrieben 1840 in Bonn. Melodie: Robert Schumann Robert Schumann (* 8. Juni 1810 in Zwickau; † 29. Juli 1856 in Endenich bei Bonn). Geschichte: Das Lied wurde anlässlich der Rheinkrise gedichtet. Becker wurde dafür von den Königen von Preußen und Bayern durch Geschenke ausgezeichnet. Rheinlied (1840)1. Sie sollen ihn nicht haben, 2. Sie sollen ihn nicht haben, 3. Sie sollen ihn nicht haben, Was dich auch bedroh - Lied der Auslandsdeutschen (1920)1. Was dich auch bedrohe: / Eine heil'ge Lohe gibt dir Sonnenkraft! / Lass dich nicht entrechten, / Lass dich nimmer knechten! / Gott gibt dem Gerechten / wahre Heldenschaft. 2. Was auch immer werde, / steh' zur Heimaterde, / Bleibe wurzelstark! / Kämpfe, blute, werbe / für dein höchstes Erbe, siege oder sterbe: / Deutsch sei bis ins Mark! Text: Heinrich Gutberlet 1920, Melodie: Eugen Naumann, Geschichte: das Lied war in den Gebieten, die in der Folge des Versailler Vertrages in den polnischen Machtbereich gelangten (Posen und Westpreußen), weit verbreitet und wurde schließlich zu einer Hymne der Auslandsdeutschen überhaupt. Deutschland, Deutschland über alles1. Deutschland, Deutschland über alles, / Über alles in der Welt, / Wenn es stets zu Schutz und Trutze / Brüderlich zusam-menhält, / Von der Maas bis an die Memel, / Von der Etsch bis an den Belt. |: Deutschland, Deutschland über alles, Über alles in der Welt! :| 2. Deutsche Frauen, deutsche Treue, / Deutscher Wein und deutscher Sang / Sollen in der Welt behalten / Ihren alten schönen Klang, / Uns zu edler Tat begeistern / Unser ganzes Leben lang. |: Deutsche Frauen, deutsche Treue, Deutscher Wein und deutscher Sang! :| 3. Einigkeit und Recht und Freiheit Für das deutsche Vaterland! / Danach lasst uns alle streben / Brüderlich mit Herz und Hand! / Einigkeit und Recht und Freiheit / Sind des Glückes Unterpfand; |: Blüh’ im Glanze dieses Glückes, Blühe, deutsches Vaterland! :| 4. Deutschland, Deutschland über alles / Und im Unglück nun erst recht. / Nur im Unglück kann die Liebe zeigen, / Ob sie stark und echt. / Und so soll es weiter klingen / Von Geschlechte zu Geschlecht: |: Deutschland, Deutschland über alles Und im Unglück nun erst recht. :| Text: Strophen 1. bis 3. verfasst von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (2. April 1798 in Fallersleben (heute: Wolfsburg); † 19. Januar 1874 in Corvey) am 26. August 1841, am 5. Oktober 1841 in Hamburg erstmals öffentlich gesungen. Strophe 4. von Albert Matthai (1853 oder 1855 in Preußisch Stargard; † 1924) verfasst 1921. Diese Strophe wird im Allgemeinen nicht zum Lied gezählt. Melodie: Joseph Haydn 1797 auf den Text „Gott erhalte Franz, den Kaiser, unsern guten Kaiser Franz!“.Geschichte: Das Lied war neben „Der Wacht am Rhein“ immer ein populäres Volkslied, obwohl es nicht dessen Beliebtheit erreichte. Mit dem Ersten Weltkrieg begann es aber dieses in der Gunst der Bevölkerung zu verdrängen. Am 11. August 1922 wurde es durch Reichspräsident Ebert zur Nationalhymne bestimmt. Im Dritten Reich wurden die zweite und dritte Strophe nicht mehr gesungen. Nach dem Krieg verboten die Alliierten das Lied zur Gänze. Im Mai 1952 wird es mit Zustimmung von Bundespräsident Heuss, der eigentlich eine andere Hymne gewünscht hätte, auf Drängen von Bundeskanzler Konrad Adenauer wieder Nationalhymne. Beim Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 sangen die streikenden Arbeiter das Deutschlandlied, weswegen es nach der Niederschlagung des Aufstandes in der DDR verboten war. Als 1989 die Nachricht vom Fall der Berliner Mauer im Deutschen Bundestag eintraf, wurde das Lied von den Abgeordneten gesungen. Im August 1991 erklären Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl in einem Briefwechsel die dritte Strophe des Deutschlandliedes, und nur diese, zur Nationalhymne. Die Hymne wurde aber nie durch ein Gesetz oder eine parlamentarische Abstimmung beschlossen! Parodie: Syrakusaise1. Gott erhalte den Tyrannen, / Den Tyrannen Dionys! / Wenn er uns des Heils auch wenig / Und des Unheils viel erwies, / Wünsch' ich doch, er lebe lange, / Flehe brünstig überdies: / Gott erhalte den Tyrannen, / Den Tyrannen Dionys! 2. Eine Alte sprach im Tempel / Eines Tages dies Gebet. / Der Tyrann kam just vorüber, / Wüsste gerne, was sie tät: / Sag mir doch, du liebe Alte, / Sag, was war denn dein Gebet? / Ach, ich habe nur gebetet, / Nur für Eure Majestät. 3. Als ich war ein junges Mädchen, / Fleht' ich oftmals himmelan: / Lieber Gott, gib einen Bessern! / Und ein Schlecht'rer kam heran; / Und so kam ein zweiter, dritter / immer schlechterer Tyrann; / Darum fleh ich heute nur noch: / Gott erhalt' uns dich fortan! Text und Geschichte: Hoffmann von Fallersleben hatte bereits am 2. Juli 1841 in seinen „Unpolitischen Liedern“ einen anderen Text zur Haydn Melodie geschrieben. Es handelt sich dabei um obige Parodie. Ein Gegenvorschlag (1913)1. Land der ewigen Gedanken, / Deutschland, Deutschland, Jugendland! / Stehe fest und sonder Wanken, / Land der ewigen Gedanken, / In der Zeiten Wirbelbrand. 2. Land der unbesiegten Liebe, / Deutschland, Deutschland, Herzensland! / Mitten in dem Machtgetriebe, / Land der unbesiegten Liebe, / Halte du in Treuen stand. 3. Land der schwielen harten Hände, / Deutschland, Deutschland, Arbeitsland! / Fühle deine Zeitenwende, / Land der schwielenharten Hände, / Halt den Knechtegeist gebannt Text: Hermann Claudius (* 24. Oktober 1878 in Langenfelde bei Hamburg; † 8. September 1980 in Grönwohld), Urenkel von Mathias Claudius. Melodie: 1916 von Wilhelm Englert. Geschichte: 1913 geschrieben wurde es 1921 uraufgeführt, fand aber kaum Unterstützung in der Bevölkerung. ParodienNeue deutsche Hymne, aus: Der Wahre Jacob, 9. Oktober 1900 1. Deutschland, Deutschland über dieses / Geht kein Land doch auf der Welt; / Und weh' jedem, der noch künftig / Frech sich in den Weg uns stellt. / Unserer Rache Flammenfackel / dann den Erdenrund erhellt, / Bis wir kurz und klein gehauen /alles, alles in der Welt. 2. Deutsch allein ist wahre Sitte, / Deutsch nur wirkliche Kultur; / alle anderen Nationen / Sind ja doch Barbaren nur. / English-man, Franzos' und Russe, / Jingo - falsch und wetter-wend'sch, / Gierig, grausam - mit dem Deutschen / Erst beginnt der wahre Mensch. 3. Doch wird Deutschland uns zu enge, / Wo es keinem mehr gefällt. / Wozu hat man auch Soldaten, / Und wozu das viele Geld? / Quatscht nicht von den alten Grenzen, / Maas und Memel, Etsch und Belt: / Uns gehört des Rechtes wegen, / Längstens schon die ganze Welt. 4. Darum lasst uns Flotten bauen / Über alles in der Welt, / Lasst uns stechen, lasst uns hauen, / Was uns in die Klauen fällt. / Wenn nur der chines'sche Drache / Blutend erst am Boden liegt, / Dann wird England, Russland, Frankreich / und die neue Welt bekriegt. 5. Wenn erst vom Chinesenkuchen / Wir das beste Stück errafft, / Wird sogleich der deutsche Krieger / Nach Amerika geschafft. / Und noch binnen vierzehn Tagen / Stecken wir Columbia ein— / Ja - denn Deutschland muss noch ville, / ville, ville größer sein. 6. Deutsches Recht und deutsche Freiheit, / Ach, was schert uns solcher Tand; / Drüber lachen wir, die neuen / Deutschen mit der Eisenhand. / Nein, im Glanze der Kanonen / blühe künftig nur die Welt, / Bis All - Deutschland mächtig krachend / Einst in Schutt und Trümmer fällt. 1918 Deutschland, Deutschland, schwer in Dalles, / Schwer in Dalles in der Welt, / Wenn die Marmelad nit alles brüderlich zusammenhäalt / Eier, Butter, Wurscht und Schinke / Sin' nur für die Reiche da, / Nur mir arme, arme Schlucker / Gucke zu und kreische: Hurrah ! (Spottlied eines unbekannten Mainzer Soldaten, 1918); Dalles = jüd. für Not 1980 Deutschland, Deutschland mir stinkt alles, / Was dir selbst an Dir gefällt. / Einigkeit und Recht und Freiheit / Wurden doch zu sehr gequält. / Korruption, Gewalt und Willkür / Gehen dem Staat leicht von der Hand. / Denk doch mal an deine Kinder, / Denke, Deutsches Vaterland ! Ich hab mich ergeben1. Ich hab' mich ergeben / Mit Herz und mit Hand, / Dir Land voll Lieb' und Leben, / Mein deutsches Vaterland! 2. Mein Herz ist entglommen, / Dir treu zugewandt, / Du Land der Frei'n und Frommen, / Du herrlich Hermannsland! 3. Will halten und glauben / an Gott fromm und frei; / Will Vaterland dir bleiben / auf ewig fest und treu. 4. Ach Gott, tu' erheben / Mein jung Herzensblut / Zu frischem freud'gem Leben, / Zu freiem frommem Mut! 5. Lass Kraft mich erwerben / in Herz und in Hand, / Zu leben und zu sterben / Fürs heil'ge Vaterland! Text: H.F. Maßmann, geschrieben 1820. Melodie: von „wir hatten gebauet“ (Zur Unterdrückung der Burschenschaft). Geschichte: Bei der Gründung der BRD 1949 wurde keine Nationalhymne festgelegt; bei der konstituierenden Sitzung des ersten Bundestages sangen die Abgeordneten „Ich hab mich ergeben / Mit Herz und mit Hand“; später wurde öfters Beethovens Ode an die Freude als Ersatzhymne verwendet. Hymne an Deutschland (1950)1. Land des Glaubens, deutsches Land, / Land der Väter und der Erben, / Uns im Leben und im Sterben / Haus und Herberg, Trost und Pfand, / Sei den Toten zum Gedächtnis, / Den Lebend'gen zum Vermächtnis, / Freudig vor der Welt bekannt, / Land des Glaubens, deutsches Land! 2. Land der Hoffnung, Heimat-land, / Ob die Wetter, ob die Wogen über dich hinweg-gezogen, / Ob die Feuer dich verbrannt, / Du hast Hände, die da bauen, / Du hast Herzen, die vertrauen, / Lieb und Treue halten stand, / Land der Hoffnung, Heimatland! 3. Land der Liebe, Vaterland, heil'ger Grund, / Auf den sich gründet, / Was in Lieb und Leid verbündet / Herz mit Herzen, Hand mit Hand. / Frei, wie wir dir angehören / Und uns dir zu eigen schwören, / Schling um uns dein Friedensband, / Land der Liebe, Vaterland! Text: Rudolf Alexander Schröder (* 26. Januar 1878 in Bremen, † 22. August 1962 in Bad Wiessee), geschrieben 1950. Melodie: Hermann Reutter (* 17. Juni 1900 in Stuttgart; † 1. Januar 1985 ebenda). Geschichte: Bundespräsident Theodor Heuss wollte dieses Lied, das auf seine Anregung hin entstand, zur National-hymne der Bundesrepublik machen, konnte sich aber nicht durchsetzen. So wurde auf Wunsch von Konrad Adenauer das Deutschlandlied wieder Hymne der BRD. Auferstanden aus Ruinen (1949)1. Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt, / Lasst uns Dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland. / Alte Not gilt es zu zwingen, und wir zwingen sie vereint, / Denn es muss uns doch gelingen, dass die Sonne schön wie nie / Über Deutschland scheint, über Deutschland scheint. 2. Glück und Friede sei beschieden Deutschland, unserm Vaterland. / Alle Welt sehnt sich nach Frieden, reicht den Völkern eure Hand. / Wenn wir brüderlich uns einen, schlagen wir des Volkes Feind. / Lasst das Licht des Friedens scheinen, dass nie eine Mutter mehr / Ihren Sohn beweint, ihren Sohn beweint. 3. Lasst uns pflügen, lasst uns bauen, lernt und schafft wie nie zuvor, / Und der eignen Kraft vertrauend steigt ein frei Geschlecht empor. / Deutsche Jugend, bestes Streben unsres Volks in dir vereint, / Wirst du Deutschlands neues Leben. Und die Sonne schön wie nie / Über Deutschland scheint, über Deutschland scheint. Text: Johannes Robert Becher (* 22. Mai 1891 in München; † 11. Oktober 1958 in Berlin). Melodie: Hanns Eisler (* 6. Juli 1898 in Leipzig; † 6. September 1962 in Berlin), es kann auch zur Haydn Melodie gesungen werden. Geschichte: nach der Staatsgründung am 7. Oktober 1949 erteilte das Zentralkomitee der SED dem Dichter und späteren Kulturminister Johannes Becher den Auftrag zur Dichtung einer Hymne. Am 5.XI. wird der Text offiziell angenommen. Ab 1972 nur noch instrumental aufgeführt, da der Text unliebsam geworden ist. Anmut sparet nicht noch Mühe (1949)1. Anmut sparet nicht noch Mühe, / Leidenschaft nicht noch Verstand, / Dass ein gutes Deutschland blühe / Wie ein andres gutes Land. / Dass die Völker nicht erbleichen / Wie vor einer Räuberin, / Sondern ihre Hände reichen, / Uns wie andern Völkern hin, / Uns wie andern Völkern hin. 2. Und nicht über und nicht unter / Andern Völkern woll'n wir sein / Von der See bis zu den Alpen, von der Oder bis zum Rhein. / Und weil wir dies Land verbessern, / Lieben und beschirmen wir's, / Und das Liebste mag's uns scheinen, / So wie andern Völkern ihrs; / So wie andern Völkern ihrs. Text: Bertolt Brecht, (auch Bert Brecht, * 10. Februar 1898 in Augsburg; † 14. August 1956 in Berlin), geschrieben 1949. Melodie: Melodie: Hanns Eisler (* 6. Juli 1898 in Leipzig; † 6. September 1962 in Berlin), es kann auch zur Haydn Melodie gesungen werden. Geschichte: Die sog. „Kinder-hymne“ kann sich nicht gegenüber „Auferstanden aus Ruinen“ durchsetzen. Nach der Wiedervereinigung 1990 setzten sich aber einige Bürgerinitiativen und verschiedene Medien für das Lied als neue deutsche Nationalhymne ein. Österreichs HymnenDeutschösterreich, du herrlich Land! (1920)1. Deutschösterreich, du herrliches Land, wir lieben dich! / Hoch von der Alm unterm Gletscherdom / Stürzen die Wasser zum Donaustrom: / Tränken im Hochland Hirten und Lämmer, / Treiben am Absturz Mühlen und Hämmer, / Grüßen viel Dörfer, viel Städte und ziehn / jauchzend zum Ziel, unserm einzigen Wien! / Du herrliches Land, unser Heimatland, / Wir lieben dich, wir schirmen dich. 2. Deutschösterreich, du tüchtiges Volk, wir lieben dich! / Hart ist dein Boden und karg dein Brot, / Stark doch macht dich und klug die Not. / Seelen, die gleich wie Berge beständig, / Sinne, die gleich wie Wasser lebendig, / Herzen so sonnig, mitteilsamer Gunst, / Schaffen sich selber ihr Glück, ihre Kunst. / Du tüchtiges Volk, unser Muttervolk, / Wir lieben dich, wir schirmen dich. 3. Deutschösterreich, du treusinnig Volk, wir lieben dich! / Dienende Treu schuf dir Not und Reu, / Sei uns in Freiheit dir selber treu! / Gibt es ein Schlachtfeld rings in den Reichen, / Wo deiner Söhne Knochen nicht bleichen? / Endlich brachst du die Ketten entzwei, / diene dir selber, sei dein! Sei frei! / Du treusinnig Volk, unser Duldervolk, / Wir lieben dich, wir schirmen dich. 4. Deutschösterreich, du Bergländerbund, wir lieben dich! / Frei durch die Tat und vereint durch Wahl, / Eins durch Geschick und durch Blut zumal. / Einig auf ewig, Ostalpenlande! / Treu unserm Volkstum, treu dem Verbande! / Friede dem Freund, doch dem Feinde, der droht, / Wehrhaften Trotz in Kampf und Not! / Du Bergländerbund, unser Ostalpenbund, Wir lieben dich, wir schirmen dich. Text: 1920 vom Staatskanzler Karl Renner (* 14. Dezember 1870 in Untertannowitz heute Dolní Dunajovice, Mähren; † 31. Dezember 1950 in Wien) gedichtet. Melodie: Wilhelm Kienzl (* 17. Januar 1857 in Waizenkirchen, Oberösterreich; † 3. Oktober 1941 in Wien). Geschichte: obwohl im Vertrag von Saint-Germain (10. September 1919) der Name „Deutschösterreich“ verboten worden war, übernahm ihn Renner für seine Hymne. Aufgrund mangelnder Popularität wurde die Hymne aber schon 1929 ersetzt. Sei gesegnet ohne Ende (1922)1. Sei gesegnet ohne Ende, / Heimaterde wunderhold! / Freundlich schmücken dein Gelände, / Tannengrün und Ährengold. / Deutsche Arbeit ernst und ehrlich, / Deutsche Liebe zart und weich -/ Vaterland, wie bist du herrlich, / Gott mit dir, mein Österreich! 2. Keine Willkür, keine Knechte, / Off'ne Bahn für jede Kraft! / Gleiche Pflichten, gleiche Rechte, / Frei die Kunst und Wissenschaft! / Starken Mutes, festen Blickes, / Trotzend jedem Schicksalsstreich / Steig empor den Pfad des Glückes, / Gott mit dir, mein Österreich! 3. Osterland bist du geheißen / Und von Osten kommt das Licht. / Nacht und Finsternis zerreißen, / Wenn es durch die Wolken bricht. / Seht verklärten Angesichtes / Den ersehnten Tag vor euch! / Land der Freiheit, Land des Lichtes, / Gott mit dir, mein Österreich! 4. Lasst, durch keinen Zwist geschieden, / Uns nach einem Ziele schau'n, / Lasst in Eintracht und in Frieden / Uns am Heil der Zukunft bau'n! / Uns'res Volkes starke Jugend / Werde ihren Ahnen gleich, / Sei gesegnet, Heimaterde, / Gott mit dir, mein Österreich! Text: Ottokar Kernstock (* als Otto Kernstock am 25. Juli 1848 in Marburg an der Drau; † 5. November 1928 auf dem Schloss Festenburg, Steiermark), geschrieben 1922. Melodie: Haydn Melodie der Kaiserhymne. Geschichte: 1929 auf Antrag des christlich-sozialen Heeresministers Carl Vaugoin (* 8. Juli 1873 in Wien; † 10. Juni 1949 in Krems an der Donau, Niederösterreich) unter Weglassung der dritten Strophe zur Bundeshymne erklärt. Der Wiener Stadtschulrat beschloss anstelle des Kernstock Textes in den Schulen "Deutschland über alles" singen zu lassen, was das Unterrichtsministerium mit einem Erlass untersagte. Je nach politischer Ausrichtung der Singenden wurde in der Praxis der Haydn-Melodie die Kernstock-Hymne, die Kaiserhymne oder "Deutschland, Deutschland über alles" unterlegt. Kernstock hat übrigens auch eine Hymne für die NSDAP in Österreich geschrieben. Nach 1934 wurde in Österreich die 2 Strophe nicht mehr gesungen. Österreichisches Lied (1929)1. Wo sich der ewige Schnee / spiegelt im Alpensee, / Sturzbach am Fels zerstäubt, eingedämmt Werke treibt, 2. wo in der Berge Herz / dämmert das Eisenerz, / Hammer Gestein zerstampft, / zischend die Schmelzglut dampft, Dollfußlied (1936)1. Ihr Jungen, schließt die Reihen gut, / Ein Toter führt uns an. / Er gab für Österreich sein Blut, / Ein wahrer deutscher Mann. / Die Mörderkugel, die ihn traf, / Die riss das Volk aus Zank und Schlaf. / Wir Jungen stehn bereit / Mit Dollfuß in die neue Zeit! 2. Für Österreich zu kämpfen lohnt, / Dass es gesichert sei, / vor jedem Feind, wo er auch thront, / Und vor der Verräterei. / Gewalt und Lüge schreckt uns nicht, / Wir kennen nur die frohe Pflicht. / Wir Jungen stehn bereit! / Mit Dollfuß in die neue Zeit! 3. Zerschlagt was uns noch hemmen mag / Und nach dem Gestern weist. / Die neue Zeit steigt in den Tag / Und will den neuen Geist. / Christlich, deutsch, gerecht und frei / Von Klassenhass und Tyrannei. / Wir Jungen stehn bereit! / Mit Dollfuß in die neue Zeit! Land der Berge (1947)1. Land der Berge, Land am Strome, / Land der Äcker, Land der Dome, / Land der Hämmer zukunftsreich! / Heimat bist du großer Söhne, / Volk begnadet für das Schöne, Vielgerühmtes Österreich, Vielgerühmtes Österreich! 2. Heiß umfehdet, wild umstritten, / Liegst dem Erdteil du inmitten, / Einem starken Herzen gleich. / Hast seit frühen Ahnentagen / Hoher Sendung Last getragen, Vielgeprüftes Österreich, Vielgeprüftes Österreich. 3. Mutig in die neuen Zeiten, / Frei und gläubig sieh uns schreiten, / Arbeitsfroh und hoffnungsreich. / Einig lass in Brüderchören, / Vaterland, dir Treue schwören. Vielgeliebtes Österreich, Vielgeliebtes Österreich. Text: Paula von Preradović (* 12. Oktober 1887 in Wien; † 25. Mai 1951 in Wien). Melodie: offiziell Freimaurer-kantate KV 623 von Wolfgang Amadeus Mozart (* 27. Januar 1756 in Salzburg; † 5. Dezember 1791 in Wien); wahrscheinlich stammt das Lied aber von einem Logenbrüder Mozarts, dem „Claviermeister“ Johann Holzer. Geschichte: Am 25. Februar 1947 als neue Nationalhymne proklamiert und am 7. März 1947 erstmals als „Volkshymne“ im Radio. Eine Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt erfolgte nicht. Im September 2005 forderte Frauenministerin Maria Rauch-Kallat die Abänderung der Hymne: statt „Heimat bist du großer Söhne“ sollte „Heimat großer Töchter, Söhne“ und statt „Einig lass in Brüderchören, Vaterland, dir Treue schwören“ sollte „Einig lass in freud'gen Chören, Heimatland, dir Treue schwören“ gesungen werden. ParodieLand der Erbsen, Land der Bohnen, / Land der vier alliierten Zonen, / Wir verkaufen dich im Schleich, / Vielgeliebtes Österreich! / Und droben überm Hermannskogel / Flattert froh der Bundesvogel. Text: Otto und Fritz Molden (Söhne von Paula Preradović) Ode an die Freude (1823)1. Freude schöner Götter-funken, / Tochter aus Elysium, / Wir betreten feuertrunken, / Himmlische dein Heiligtum! / Deine Zauber binden wieder, / Was die Mode streng geteilt; / Alle Menschen werden Brüder, / Wo dein sanfter Flügel weilt. 2. Wem der große Wurf gelungen, / Eines Freundes Freund zu sein, / Wer ein holdes Weib errungen, / Mische seinen Jubel ein! / Ja, wer auch nur eine Seele / sein nennt auf dem Erdenrund! / Und wer's nie gekonnt, / der stehle weinend sich aus diesem Bund. 3. Freude trinken alle Wesen / An den Brüsten der Natur; / Alle Guten, alle Bösen / Folgen ihrer Rosenspur / Küsse gab sie uns und Reben, / Einen Freund, geprüft im Tod; / Wollust ward dem Wurm gegeben, / Und der Cherub steht vor Gott! 4. Froh, wie seine Sonnen fliegen / durch des Himmels prächt'gen Plan, / Laufet, Brüder, eure Bahn, / freudig, wie ein Held zum Siegen. 5. Seid umschlungen, Millionen / Diesen Kuss der ganzen Welt! / Brüder! Über'm Sternenzelt / Muss ein lieber Vater wohnen / Ihr stürzt nieder, Millionen? / Ahnest du den Schöpfer, Welt? / Such' ihn über'm Sternenzelt! / Über Sternen muss er wohnen. Text: Friedrich Schiller (* 10. November 1759 in Marbach am Neckar; † 9. Mai 1805 in Weimar), geschrieben 1785. Melodie: letzter Satz der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven (*16. Dezember 1770 in Bonn; † 26. März 1827 in Wien) |
Wollen Sie über unsere Veranstaltungen informiert werden?