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Österreichs Hymnen

Deutschösterreich, du herrlich Land! (1920)

1. Deutschösterreich, du herrliches Land, wir lieben dich! / Hoch von der Alm unterm Gletscherdom / Stürzen die Wasser zum Donaustrom: / Tränken im Hochland Hirten und Lämmer, / Treiben am Absturz Mühlen und Hämmer, / Grüßen viel Dörfer, viel Städte und ziehn / jauchzend zum Ziel, unserm einzigen Wien! / Du herrliches Land, unser Heimatland, / Wir lieben dich, wir schirmen dich.

2. Deutschösterreich, du tüchtiges Volk, wir lieben dich! / Hart ist dein Boden und karg dein Brot, / Stark doch macht dich und klug die Not. / Seelen, die gleich wie Berge beständig, / Sinne, die gleich wie Wasser lebendig, / Herzen so sonnig, mitteilsamer Gunst, / Schaffen sich selber ihr Glück, ihre Kunst. / Du tüchtiges Volk, unser Muttervolk, / Wir lieben dich, wir schirmen dich.

3. Deutschösterreich, du treusinnig Volk, wir lieben dich! / Dienende Treu schuf dir Not und Reu, / Sei uns in Freiheit dir selber treu! / Gibt es ein Schlachtfeld rings in den Reichen, / Wo deiner Söhne Knochen nicht bleichen? / Endlich brachst du die Ketten entzwei, / diene dir selber, sei dein! Sei frei! / Du treusinnig Volk, unser Duldervolk, / Wir lieben dich, wir schirmen dich.

4. Deutschösterreich, du Bergländerbund, wir lieben dich! / Frei durch die Tat und vereint durch Wahl, / Eins durch Geschick und durch Blut zumal. / Einig auf ewig, Ostalpenlande! / Treu unserm Volkstum, treu dem Verbande! / Friede dem Freund, doch dem Feinde, der droht, / Wehrhaften Trotz in Kampf und Not! / Du Bergländerbund, unser Ostalpenbund, Wir lieben dich, wir schirmen dich.

Text: 1920 vom Staatskanzler Karl Renner (* 14. Dezember 1870 in Untertannowitz heute Dolní Dunajovice, Mähren; † 31. Dezember 1950 in Wien) gedichtet. Melodie: Wilhelm Kienzl (* 17. Januar 1857 in Waizenkirchen, Oberösterreich; † 3. Oktober 1941 in Wien). Geschichte: obwohl im Vertrag von Saint-Germain (10. September 1919) der Name „Deutschösterreich“ verboten worden war, übernahm ihn Renner für seine Hymne. Aufgrund mangelnder Popularität wurde die Hymne aber schon 1929 ersetzt.

Sei gesegnet ohne Ende (1922)

1. Sei gesegnet ohne Ende, / Heimaterde wunderhold! / Freundlich schmücken dein Gelände, / Tannengrün und Ährengold. / Deutsche Arbeit ernst und ehrlich, / Deutsche Liebe zart und weich -/ Vaterland, wie bist du herrlich, / Gott mit dir, mein Österreich!

2. Keine Willkür, keine Knechte, / Off'ne Bahn für jede Kraft! / Gleiche Pflichten, gleiche Rechte, / Frei die Kunst und Wissenschaft! / Starken Mutes, festen Blickes, / Trotzend jedem Schicksalsstreich / Steig empor den Pfad des Glückes, / Gott mit dir, mein Österreich!

3. Osterland bist du geheißen / Und von Osten kommt das Licht. / Nacht und Finsternis zerreißen, / Wenn es durch die Wolken bricht. / Seht verklärten Angesichtes / Den ersehnten Tag vor euch! / Land der Freiheit, Land des Lichtes, / Gott mit dir, mein Österreich!

4. Lasst, durch keinen Zwist geschieden, / Uns nach einem Ziele schau'n, / Lasst in Eintracht und in Frieden / Uns am Heil der Zukunft bau'n! / Uns'res Volkes starke Jugend / Werde ihren Ahnen gleich, / Sei gesegnet, Heimaterde, / Gott mit dir, mein Österreich!

Text: Ottokar Kernstock (* als Otto Kernstock am 25. Juli 1848 in Marburg an der Drau; † 5. November 1928 auf dem Schloss Festenburg, Steiermark), geschrieben 1922. Melodie: Haydn Melodie der Kaiserhymne. Geschichte: 1929 auf Antrag des christlich-sozialen Heeresministers Carl Vaugoin (* 8. Juli 1873 in Wien; † 10. Juni 1949 in Krems an der Donau, Niederösterreich) unter Weglassung der dritten Strophe zur Bundeshymne erklärt. Der Wiener Stadtschulrat beschloss anstelle des Kernstock Textes in den Schulen "Deutschland über alles" singen zu lassen, was das Unterrichtsministerium mit einem Erlass untersagte. Je nach politischer Ausrichtung der Singenden wurde in der Praxis der Haydn-Melodie die Kernstock-Hymne, die Kaiserhymne oder "Deutschland, Deutschland über alles" unterlegt. Kernstock hat übrigens auch eine Hymne für die NSDAP in Österreich geschrieben.  Nach 1934 wurde in Österreich die 2 Strophe nicht mehr gesungen.

Österreichisches Lied (1929)

1. Wo sich der ewige Schnee / spiegelt im Alpensee, / Sturzbach am Fels zerstäubt, eingedämmt Werke treibt,

2. wo in der Berge Herz / dämmert das Eisenerz, / Hammer Gestein zerstampft, / zischend die Schmelzglut dampft,

Dollfußlied (1936)

1. Ihr Jungen, schließt die Reihen gut, / Ein Toter führt uns an. / Er gab für Österreich sein Blut, / Ein wahrer deutscher Mann. / Die Mörderkugel, die ihn traf, / Die riss das Volk aus Zank und Schlaf. / Wir Jungen stehn bereit / Mit Dollfuß in die neue Zeit!

2. Für Österreich zu kämpfen lohnt, / Dass es gesichert sei, / vor jedem Feind, wo er auch thront, / Und vor der Verräterei. / Gewalt und Lüge schreckt uns nicht, / Wir kennen nur die frohe Pflicht. / Wir Jungen stehn bereit! / Mit Dollfuß in die neue Zeit!

3. Zerschlagt was uns noch hemmen mag / Und nach dem Gestern weist. / Die neue Zeit steigt in den Tag / Und will den neuen Geist. / Christlich, deutsch, gerecht und frei / Von Klassenhass und Tyrannei. / Wir Jungen stehn bereit! / Mit Dollfuß in die neue Zeit!

Land der Berge (1947)

1. Land der Berge, Land am Strome, / Land der Äcker, Land der Dome, / Land der Hämmer zukunftsreich! / Heimat bist du großer Söhne, / Volk begnadet für das Schöne, Vielgerühmtes Österreich, Vielgerühmtes Österreich!

2. Heiß umfehdet, wild umstritten,  / Liegst dem Erdteil du inmitten, / Einem starken Herzen gleich. / Hast seit frühen Ahnentagen / Hoher Sendung Last getragen, Vielgeprüftes Österreich, Vielgeprüftes Österreich.

3. Mutig in die neuen Zeiten, / Frei und gläubig sieh uns schreiten, / Arbeitsfroh und hoffnungsreich. / Einig lass in Brüderchören, / Vaterland, dir Treue schwören. Vielgeliebtes Österreich, Vielgeliebtes Österreich.

Text: Paula von Preradović (* 12. Oktober 1887 in Wien; † 25. Mai 1951 in Wien). Melodie: offiziell Freimaurer-kantate KV 623 von Wolfgang Amadeus Mozart (* 27. Januar 1756 in Salzburg; † 5. Dezember 1791 in Wien); wahrscheinlich stammt das Lied aber von einem Logenbrüder Mozarts, dem „Claviermeister“ Johann Holzer. Geschichte: Am 25. Februar 1947 als neue Nationalhymne proklamiert und am 7. März 1947 erstmals als „Volkshymne“ im Radio. Eine Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt erfolgte nicht. Im September 2005 forderte Frauenministerin Maria Rauch-Kallat die Abänderung der Hymne: statt „Heimat bist du großer Söhne“ sollte „Heimat großer Töchter, Söhne“ und statt „Einig lass in Brüderchören, Vaterland, dir Treue schwören“ sollte „Einig lass in freud'gen Chören, Heimatland, dir Treue schwören“ gesungen werden.

Parodie

Land der Erbsen, Land der Bohnen, / Land der vier alliierten Zonen, / Wir verkaufen dich im Schleich, / Vielgeliebtes Österreich! / Und droben überm Hermannskogel / Flattert froh der Bundesvogel.

Text: Otto und Fritz Molden (Söhne von Paula Preradović)



 

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