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Grillparzer meinte, dass die Poesie den Tiefsinn des Philosophen mit der Freude des Kindes verbinde. Und bei Hegel ist die Kunst einer der Zugänge zum Absoluten (neben Religion und Philosophie).Beidem können wir zustimmen. Dichtung vereinigt (im besten Fall) Weisheit und Freude und kann auf diese Weise den Menschen erheben. Mit einem Wort von Geibel wollen wir dem werten Leser jetzt mit dieser kleinen Auswahl aus Gedichten Tiefsinn und Freude wünschen:
Der hat's wahrhaftig als Poet nicht hoch hinausgetrieben, in dessen Liedern nicht mehr steht, als er hineingeschrieben.
Das Lied vom Stein (1814)
Wo zu des Rheines heil'gen Wogen Die Lahn in bunten Ufern rauscht, Da ist ein Adler aufgeflogen, Der früh dem Sphärenklang gelauscht, Der frühe in des Lichtes Wonne Die junge Seele eingetaucht, Den früh der goldne Reiz der Sonne Mit stolzer Sehnsucht angehaucht.
Da saß er in dem Felsenneste, Das seine Väter einst gebaut, Da klang ihm auf der hohen Feste Der grauen Vorzeit Wunderlaut: Hei! wie dem Jüngling von dem Klingen Die Brust erschwoll im süßen Wahn! Hei! wie er oft geregt die Schwingen, Als mäß' er schon die Sonnenbahn!
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Die Reichsversammlung der Tiere (1845)
Windspiel (als Herold) Beschlossen ward's im ganzen Reich: Die Tiere sind sich alle gleich; Mit kurzen oder langen Beinen, Mit Flügeln oder auch mit keinen, Mit Rüssel, Schnabel, Schnauz' und Rechen; Vom Elfanten bis zur Schneck' und Maus, Mit eingeschlossen selbst die Drachen, Wir machen ein einiges Tierreich aus. Der tyrannische Löwe ist vertrieben, Wir wählen den Hamster nach unserm Belieben.
Die Tiere: Vivat!
Herold Da wir nun Brüder sind sofot, So wär es hier vielleicht am Ort, Die Herren zu mahnen unterdessen, dass keiner darf den andern fressen.
Bär Was? Keiner
Herold Keiner, Herr Baron! Es ist gegen die Konstitution.
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Michel nach dem März - Heine
Solang ich den deutschen Michel gekannt, War er ein Bärenhäuter; Ich dachte im März, er hat sich ermannt Und handelt fürder gescheuter.
Wie stolz erhob er das blonde Haupt Vor seinen Landesvätern! Wie sprach er - was doch unerlaubt - Von hohen Landesverrätern.
Das klang so süß zu meinem Ohr Wie märchenhafte Sagen, Ich fühlte, wie ein junger Tor, Das Herz mir wieder schlagen.
Doch als die schwarz-rot-goldne Fahn, Der altgermanische Plunder, Aufs neu erschien, da schwand mein Wahn Und die süßen Märchenwunder.
Ich kannte die Farben in diesem Panier Und ihre Vorbedeutung: Von deutscher Freiheit brachten sie mir Die schlimmste Hiobszeitung.
Schon sah ich den Arndt, den Vater Jahn - Die Helden aus andern Zeiten Aus ihren Gräbern wieder nahn Und für den Kaiser streiten.
Die Burschenschaftler allesamt Aus meinen Jünglingsjahren, Die für den Kaiser sich entflammt, Wenn sie betrunken waren.
Ich sah das sündenergraute Geschlecht Der Diplomaten und Pfaffen, Die alten Knappen vom römischen Recht, Am Einheitstempel schaffen -
Derweil der Michel geduldig und gut Begann zu schlafen und schnarchen, Und wieder erwachte unter der Hut Von vierunddreißig Monarchen.
Gefühl des Daseins
Nicht dass man lebe, sondern wie, ist Mannes würd'ges Streben. Solang mir Leben Gott verlieh, Will ich's lebendig leben.
Nicht hier in der Vergangenheit, dort in die Zukunft schwärmen; Im Augenblick die Ewigkeit Genießen ohne Härmen.
Wann du in Nichts dich tauchest ein, Mag deinen Durst es kühlen; doch schmählich ist, da zu sein und nicht sein Dasein fühlen.
Fünf Ursachen (nach dem Lateinischen) Man kann, wenn wir es überlegen, Wein trinken fünf Ursachen wegen: einmal um eines Festtages willen, sodann vorhandnen Durst zu stillen, Zugleichen künftigen abzuwehren, Ferner dem guten Wein zu Ehren, Und endlich um jeder Urach' willen.
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Bruchstücke
Schwere Ketten drückten alle Völker auf den Erdenhalle, Als der Deutsche sie zerbrach, Fehde bot dem Vatikane, Krieg ankündigte dem Wahne, Der die ganze Welt bestach.
Stürzte auch in Kriegsflammen Deutschlands Kaiserreich zusammen, Deutsche Größe bleibt bestehn!
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