In der nun mehr 140 jährigen Geschichte des Bundes trugen mehr als 900 Personen das schwarz-rot-goldene Burschenband. Einige von ihnen erlangten im Verlauf ihres Lebens herausragende Positionen in der Politik, Gesellschaft oder Wissenschaft. Eine Auswahl dieser Bundesbrüder wird auf den nachfolgenden Seiten vorgestellt.
Fritz von Emperger, Dipl.Ing. Dr. techn., Dr. Ing. h.c.
Geboren am 11.11.1862 in Beraun (Böhmen), gest. 72.1942 in Wien, Prager B! Teutonia WS 1878/79, Wr. akad. B! Albia 15.10.1881
Nach dem Studium an der Prager Technischen Hochschule trat er in ein Brückenbaubüro des Eisenbahndienstes ein. Später arbeitete er bei der Prager Brückenbaugesellschaft
Rustons & Co, wo er Stahlbrücken entwarf. 1890 ging er nach New York und ließ sich dort als Consulting-Engineer nieder. Er beteiligte sich am Bau der Untergrundbahnen in New York und Boston, sowie an der Errichtung von Hochhäusern. Dort entwarf er auch die erste Stahlbetonbrücke. Da Stahlbetonbau in den Vereinigten Staaten noch fast unbekannt war, fand sich kein geeignetes Bauunternehmen um Empergers Konstruktion auszuführen.
Kurzer Hand gründete der 30-jährige Emperger eine eigene Baugesellschaft, die mehrere Stahlbetonbrücken baute. Als bei einem verheerenden Hochwasser Empergers Stahlbetonbrücke über dem Housatonic - Fluss als einzige unbeschädigt blieb, setzte sich dieser Brückentyp durch, so dass im Laufe der Zeit mehrere Hundert Stahlbetonbrücken nach der Bauweise Melan-Emperger entstanden sind.
Nach sechsjähriger Bautätigkeit in Amerika kehrt Emperger nach Wien zurück und gründet ein Zivilingenieurbüro, wobei er sich weiter mit Stahlbetonbau beschäftigt.
Als Honorardozent der Wiener technischen Hochschule beschäftigt er sich zwischen 1897 und 1902 mit Fragen zu Theorie der Stahlbetonplatten. Auf seine Arbeiten ist die Gründung des „Österr. Stahlbetonausschusses“ im Österr. Ingenieur- u. Architektenverein zurückzuführen. Emperger war langjähriger Vorsitzender dieses Ausschusses. Ein Bericht Empergers über die Fortschritte des Stahlbetonbaus den er als Beauftragter des Österr. Ingenieur- u. Architektenvereins verfasst hatte, führte zur Gründung der Zeitschrift „Beton und Eisen“. Dem Oberbauratstitel erhielt Emperger 1908.
1926 Vorsitzender des Österr. Stahlbetonausschußes. In der ganzen Welt wurden nach Empergers Plänen Eisenbetonbrücken, Wolkenkratzer, Untergrundbahnen, Stahlbetonschiffe, Betonmasten u.v.m. gebaut.
1922 und 1932 bekam er die Ehrendoktorate der technischen Hochschule Prag und Dresden verliehen.
Unter den mehr als 80 wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum überwiegendsten Teil den Stahlbetonbau in seinen verschiedensten Aufgaben behandelnd sind die wichtigsten:
1906 „Handbuch für Stahlbetonbau“
1893 „Eiserne Grippenbauten in den Vereinigten Staaten“
1895 „Verschiebung von Hochbauten“
1913 „Neue Bogenbrücken aus umschnürten Gusseisen“
Dr. phil. Hans Übersberger
Geboren, am 25.6.1877 in Klagenfurt, Wr. akad. B! Albia h.c. 1930, Univ.Prof., Ordinarius für osteurop. Geschichte, Rektor der Universität Wien 1930/31, korrespondierendes Mitglied der österr. Akademie der Wissenschaften, gestorben 8.7.1962 in München.
Mit 28 Jahren Habilitation als Privatdozent für osteuropäische Geschichte an der Universität Wien.
Im Jahr 1907 gründet er das Seminar für osteurop. Geschichte, 1910 a.o. Professor, 5 Jahre später ordentlicher Professor.
Überberger begründete die Zeitschrift: „Jahrbücher für die Geschichte Osteuropas“.
Wichtige Arbeiten aus seiner frühen Lehrtätigkeit sind:
1913 „Russlands Orientpolitik in den letzen 2 Jahrhunderten“
1916 „Russland und der Panslawismus“
„Die Rolle Serbiens“
Beide im Sammelband „Deutschland und der Weltkrieg“.
1925 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Österr. Akademie der Wissenschaften gewählt. Einem Ruf der Universität Breslau an das dortige Osteuropa-Institut folgte Übersberger im Jahre 1934. Im nächsten Jahr ist er o. Professor für osteuropäische Geschichte an der Universität Berlin. Nach 1945 verliert Übersberger seine Lehrkanzel und kann erst 1948 die Lehrtätigkeit an der Universität Erlangen aufnehmen. Seit 1950 lehrte er an der Ukrainischen freien Universität in München. Er war Ehrenmitglied der Rumänischen Akademie der Wissenschaften und korrespondierendes Mitglied der School of Slawonic Studies in London.
Prof. Übersberger war ein hervorragender Historiker und anerkannter Forscher um die osteuropäische Geschichte, im Besonderen der russischen.
Weiters kämpfte er als Historiker furchtlos gegen die Lüge der Kriegsschuld am 1. Weltkrieg.
Dr. iur. Rudolf Neumayer
Geboren am 18.5.1887 in Wien (ehemalig B! Vandalia 1906) wurde wie 23 ehemalige Vandalen am 8.3.1933 in die Wr. akad. B! Albia aufgenommen. Obersenatsrat a.D., Bundesminister für Finanzen a.D., gestorben 26.9.1977
Er leitete ab 1924 die Finanzabteilung der Stadt Wien. In der Nacht vom 11.3.-12.3.1938 hatte Bundespräsident Miklas Dr. Seyß-Inquart zum österr. Bundeskanzler ernannt und ihn mit einer neuen Regierungsbildung betraut. In eben diesem Kabinett war Dr. Rudolf Neumayer ebenso wie vorher in der Regierung Schuschnigg als Finanz- und Wirtschaftsfachmann Finanzminister (seit 1936). 1938 wurde er Direktor der Wiener Städtischen Versicherung, 1943 wurde er Leiter der Hauptstelle der Wirtschaftstreuhänder.
Der Nürnberger Internationale Gerichtshof NIT hat alle österreichischen „Kriegsverbrecher“ wegen ihrer in Österreich begangenen Tätigkeit – Dr. Seyß-Inquart und alle übrigen – freigesprochen.
In Österreich hingegen wurde Exminister Dr. Neumayer zu lebenslänglichen Kerker verurteilt, später aber begnadigt.

Prim.i.R., Facharzt für Chirurgie, geboren am 3.3.1865 in Smidar, Eintritt in Prager B! Teutonia 1885, Wr. akad. B! Albia h.c. 1953, Grazer akad. B! Arminia h.c. , Gestorben am 11.2.1960
Studium der Medizin an der Prager Universität, 1890 Promotion.
Nach kurzer Spitalspraxis in der Provinz wurde er klinischer Assistent bei Prof. Gussenbauer in Prag von 1892-1895.
1895 folgte er seinem Lehrer nach Wien, wo Gussenbauer die Nachfolge Billroth’s antrat.
1902 wurde er Vorstand der II. chirurgischen Abteilung am Rudolfsspital, die er dann 32 Jahre lang innehatte. Aus dieser Zeit verband ihn auch einen herzliche Freundschaft mit Prof. Wagner-Jauregg.
Von Funkes zahlreichen wissenschaftlichen Werken sind besonders die Publikationen über Gehirndruck, über plastische Deckung von Schädeldefekten und über Darmchirurgie zu erwähnen.
Funke wagte auch als erster erfolgreich das Experiment der Herzmassage.
Seinerzeit war er einer der beliebtesten Chirurgen Wiens, zu dessen Patienten Mitglieder des Kaiserhauses, des Hoch- und Geldadels, sowie Angehörige des Hohen Klerus genauso wie berühmte Schauspieler – z.B. Girardi – zählten.
Er war seinem Beruf und dem Eide getreu, und war auch im Jahre 1945 nicht bereit das umkämpfte Wien zu verlassen, sondern erklärte strikte das er seine ihm anvertrauten Patienten nicht im Stich lassen könne. Seine letzte Operation führte Hofrat Dr. Karl Funke noch im hohen Alter von 89 Jahren aus.
Richard Riedl
Geboren am 8.12.1865 in Wien, gest. 3.9.1944, Wr. akad. B! Albia 16.10.1886, Grazer akad. B! Arminia h.c. 1928, B! Teutonia Prag h.c.1936. Ehrensprecher der B! Albia seit 8.11.1897.
Exzellenz, Geheimer Rat 1917, a.o. Gesandter und bevollmächtigter Minister a.D.
Abschluss des Jusstudiums ohne Doktorat. In „100 Jahre Dt. Burschenschaft wird Riedl, wie auch in vielen neueren Publikationen mit einem Dr. versehen.
Seit 1906 Sekretär der Wr. Handelskammer, 1 Jahr später erster Sekretär und somit Leiter Ihrer Geschäfte.
Riedl gehörte zum so genannten Belvedere-Kreis, das waren die persönlichen Berater von Erzherzog Franz Ferdinand.
1909 Sektionschef der handelspolitischen, später auch der Schiffahrts- und Industriesektion in das Handelsministerium berufen.
1908 kam es durch Mitglieder von Burschenschaften und wehrhaften Vereinen zur Gründung des Deutschen Klubs, wobei Riedl bei der Gründungsversammlung zum ersten Obmann gewählt wurde.
Der Klub gehörte keiner Partei an, grenzte sich aber gegen die Christlich-Sozialen, den Liberalen und den Sozialdemokraten ab und spielte bei der deutsch-nationalen Bevölkerung eine große Rolle, da er immer den Anschlussgedanken vertrat.
Im 1.Weltkrieg hat sich Riedl als Generalkommisär für Kriegs- und Übergangswirtschaft als wirtschaftspolitischer Fachmann einen Namen gemacht. Eine führende Rolle spielte Riedl auch beim Abschluss der Salzburger Protokolle 1918, in denen Richtlinien für ein Bündnis zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn festgelegt wurden.
Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde Riedl in der ersten von Dr. Karl Renner gebildeten Staatsregierung Unterstaatssekretär für Gewerbe, Industrie und Handel, sowie für Kriegs- und Übergangswirtschaft (30.10.1918-15.3.1919). In dieser Eigenschaft baute er handelspolitische Beziehungen mit Südslawien und Rumänien auf.
Seit 1921 war Riedl österr. Gesandter in Berlin mit gleichzeitiger Akkreditierung in Kopenhagen, Stockholm, Oslo und Helsinki.
Riedl sah seine diplomatische Mission in Deutschland darin, den Anschluss vorzubereiten. Der deutsche Reichspräsident Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg würdigte Richard Riedl 1925 bei dessen Verabschiedung als Gesandter in Berlin mit folgenden Worten: "Das deutsche Volk und seine Regierung werden nicht vergessen, was Sie in dieser ernsten Zeit als zuverlässiger Freund Deutschlands und treuer Sohn Ihrer Heimat zur Vertiefung und immer engeren Gestaltung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern geleistet haben."
Als Riedl am 8.Juni 1925 versetzt wurde, war das sein Ende als Diplomat, jedoch als Politiker und Wirtschaftsfachmann wirkte er weiter.
Handelspolitik verstand Riedl als eine Funktion der nationalen Politik. Weitgreifend und oft visionär waren seine Pläne. So legte er zur Frage einer Zollunion zwischen dem Deutschen Reich und Österreich ein Gutachten vor, „ dass die politische Unabhängigkeit gewährleistet sei, falls die Zollunion laut Vertrag nur auf eine bestimmte Zeit und unter Einhaltung einer Kündigungsfrist“ abgeschlossen sei.
Doch 1931 scheiterte der Plan dieser Zollunion am Veto der Siegermächte von 1918.
Das Aufkommen des Ständestaates 1934 beendete Riedls öffentliche Funktionen in der internationalen Handelskammer.
Riedl gab jedoch seine Bemühungen, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und dem Deutschen Reich zu fördern nicht auf, und unter seiner Leitung entstand ein Konsortium von 12 Herren, das diese Aufgabe bewältigen sollte.
Riedl verlagerte seine Tätigkeit in die Österreichisch-Deutsche Arbeitsgemeinschaft, deren Leitung er 1937 übernahm. Weiterhin vertrat er eine europäische Lösung der Wirtschaftspolitik und veröffentlichte 1937 einen Aufsatz über „Großraumwirtschaft und Mitteleuropa“.
1938 trat Riedl kurzfristig wieder ins öffentliche Leben, indem er mit der Oberleitung der handels- und industriepolitischen Abteilung des österr. Handelsministeriums betraut wurde.
Sein letztes großes Werk war „Gedanken über einen Wirtschaftsbund europäischer Staaten“.
Riedl verstarb am 9.März 1944. Zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens, wie der Wiener Bürgermeister Blaschke, gaben ihm das letzte Geleit.
Raphael Pacher
Geboren 1857, gestorben 1936. Er besuchte nach der Volksschule das Kleinseitner deutsche Gymnasium in Prag, wo er Mitglied der penalen Burschenschaft Quercus wurde. Sein Studium der Germanistik und Geschichte absolvierte er von 1876 bis 1881 an der Karl-Ferdinands-Universität in Prag. Neben seiner journalistischen Tätigkeit war er böhmischer Landtagsabgeordneter, Reichsratabgeordneter und Obmann des Bundes der Deutschen in Böhmen. Nach Ende des ersten Weltkrieges wurde er zum Landeshauptmann der autonomen Republik Deutschböhmen gewählt und kurz darauf nach Wien in die erste Regierung der Republik Deutschösterreich, der späteren Republik Österreich, unter dem sozialdemokratischen Kanzler Karl Renner zum Minister für Unterreicht ernannt. Außerdem war er der Präsident des österreichischen Schulbuchverlags. Die sudetendeutschen Städte Komotau und Dlaschkowitz ernannten ihn zum Ehrenbürger. |