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Richard Riedl

Richard RiedlGeboren am 8.12.1865 in Wien, gest. 3.9.1944, Wr. akad. B! Albia 16.10.1886, Grazer akad. B! Arminia h.c. 1928, B! Teutonia Prag h.c.1936. Ehrensprecher der B! Albia seit 8.11.1897.

Exzellenz, Geheimer Rat 1917, a.o. Gesandter und bevollmächtigter Minister a.D.

Abschluss des Jusstudiums ohne Doktorat. In „100 Jahre Dt. Burschenschaft wird Riedl, wie auch in vielen neueren Publikationen mit einem Dr. versehen.

Seit 1906 Sekretär der Wr. Handelskammer, 1 Jahr später erster Sekretär und somit Leiter Ihrer Geschäfte.

Riedl gehörte zum so genannten Belvedere-Kreis, das waren die persönlichen Berater von Erzherzog Franz Ferdinand.

1909 Sektionschef der handelspolitischen, später auch der Schiffahrts- und Industriesektion in das Handelsministerium berufen.

1908 kam es durch Mitglieder von Burschenschaften und wehrhaften Vereinen zur Gründung des Deutschen Klubs, wobei Riedl bei der Gründungsversammlung zum ersten Obmann gewählt wurde.

Der Klub gehörte keiner Partei an, grenzte sich aber gegen die Christlich-Sozialen, den Liberalen und den Sozialdemokraten ab und spielte bei der deutsch-nationalen Bevölkerung eine große Rolle, da er immer den Anschlussgedanken vertrat.

Im 1.Weltkrieg hat sich Riedl als Generalkommisär für Kriegs- und Übergangswirtschaft als wirtschaftspolitischer Fachmann einen Namen gemacht. Eine führende Rolle spielte Riedl auch beim Abschluss der Salzburger Protokolle 1918, in denen Richtlinien für ein Bündnis zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn festgelegt wurden.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde Riedl in der ersten von Dr. Karl Renner gebildeten Staatsregierung Unterstaatssekretär für Gewerbe, Industrie und Handel, sowie für Kriegs- und Übergangswirtschaft (30.10.1918-15.3.1919). In dieser Eigenschaft baute er handelspolitische Beziehungen mit Südslawien und Rumänien auf.

Seit 1921 war Riedl österr. Gesandter in Berlin mit gleichzeitiger Akkreditierung in Kopenhagen, Stockholm, Oslo und Helsinki.

Riedl sah seine diplomatische Mission in Deutschland darin, den Anschluss vorzubereiten. Der deutsche Reichspräsident Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg würdigte Richard Riedl 1925 bei dessen Verabschiedung als Gesandter in Berlin mit folgenden Worten: "Das deutsche Volk und seine Regierung werden nicht vergessen, was Sie in dieser ernsten Zeit als zuverlässiger Freund Deutschlands und treuer Sohn Ihrer Heimat zur Vertiefung und immer engeren Gestaltung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern geleistet haben."

Als Riedl am 8.Juni 1925 versetzt wurde, war das sein Ende als Diplomat, jedoch als Politiker und Wirtschaftsfachmann wirkte er weiter.

Handelspolitik verstand Riedl als eine Funktion der nationalen Politik. Weitgreifend und oft visionär waren seine Pläne. So legte er zur Frage einer Zollunion zwischen dem Deutschen Reich und Österreich ein Gutachten vor, „ dass die politische Unabhängigkeit gewährleistet sei, falls die Zollunion laut Vertrag nur auf eine bestimmte Zeit und unter Einhaltung einer Kündigungsfrist“ abgeschlossen sei.

Doch 1931 scheiterte der Plan dieser Zollunion am Veto der Siegermächte von 1918.

Das Aufkommen des Ständestaates 1934 beendete Riedls öffentliche Funktionen in der internationalen Handelskammer.

Riedl gab jedoch seine Bemühungen, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und dem Deutschen Reich zu fördern nicht auf, und unter seiner Leitung entstand ein Konsortium von 12 Herren, das diese Aufgabe bewältigen sollte.

Riedl verlagerte seine Tätigkeit in die Österreichisch-Deutsche Arbeitsgemeinschaft, deren Leitung er 1937 übernahm. Weiterhin vertrat er eine europäische Lösung der Wirtschaftspolitik und veröffentlichte 1937 einen Aufsatz über „Großraumwirtschaft und Mitteleuropa“.

1938 trat Riedl kurzfristig wieder ins öffentliche Leben, indem er mit der Oberleitung der handels- und industriepolitischen Abteilung des österr. Handelsministeriums betraut wurde.

Sein letztes großes Werk war „Gedanken über einen Wirtschaftsbund europäischer Staaten“.

Riedl verstarb am 9.März 1944. Zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens, wie der Wiener Bürgermeister Blaschke, gaben ihm das letzte Geleit.



 

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